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Ausstellungen im Hans-Thoma-Kunstmuseum

 
Flattermäanner (C) Thomas Putze
Thomas Putze: Skulptur, Zeichnung und Performance
„Flattermann“ ist eine große Ausstellung zur Gegenwartskunst


Von Jürgen Glocker


Unterschiedliche Perspektiven auf Kunst und Geschichte, kunsthistorische Betrachtungen und Analysen, intensive Blicke auf die internationale Gegenwartskunst: Das alles und noch viel mehr bietet das Bernauer Hans-Thoma-Kunstmuseum seinen Besucherinnen und Besuchern. Zuletzt war eine Ausstellung zu sehen, die den Fokus auf eine große private Sammlung richtete und „die andere Moderne“, also Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert, vorstellte. Außerdem gab es eine kleine Solidaritäts- und Verkaufspräsentation von handgemalten Ostereiern aus der Ukraine. Und nun gilt die Aufmerksamkeit einem wichtigen Vertreter der deutschen Gegenwartskunst. Vom 1. Mai bis zum 31. Juli 2022 zeigt das Haus die große One-Man-Show „Thomas Putze: Flattermann. Skulpturen, Zeichnungen, Performance“.

Studium bei zwei Thoma-Preisträgern

Thomas Putze wurde 1968 in Augsburg geboren. Nach ausführlichen Tastversuchen in unterschiedlichen Denkwelten und Berufsfeldern (Landschaftsgärtnerei, Aufenthalt in Guatemala, Studium der Theologie) studierte er an der Stuttgarter Kunstakademie bei den Professoren Werner Pokorny und Micha Ullman, also bei zwei Trägern des Hans-Thoma-Staatspreises des Landes Baden-Württemberg. In den Jahren 2005/2006 hatte Thomas Putze das Landesgraduiertenstipendium inne. Von 2015 bis 2019 nahm er einen Lehrauftrag für Zeichnung und Bildhauerei an der Freien Kunstakademie Nürtingen wahr. Seither arbeitet er als freiberuflicher Bildhauer und Zeichner in Stuttgart. Werke von Thomas Putze befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, so etwa in der Staatsgalerie Stuttgart, in der Galerie der Stadt Delmenhorst, dem Forum Kunst Rottweil, der Sammlung LBBW, dem Museum Biedermann Donaueschingen, der Galerie der Stadt Ostfildern und dem Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg. Das Land Baden-Württemberg hat im Jahr 2020 das Werk „Rabe auf Bär“ angekauft; es befindet sich als Dauerleihgabe im Hans-Thoma-Museum.

Thomas Putzes Werke überschreiten auf lustvolle Weise Gattungsgrenzen, sie machen sie durchlässig, denn sie treiben ihr kunstvolles Spiel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, zwischen Zeichnung, Skulptur, Performance und den Beziehungen zum jeweiligen Raum. Dabei sind seine Arbeiten dem Publikum unmittelbar zugewandt; sie besitzen große erzählerische Qualitäten, sind aber niemals einlinig oder eindeutig. Putzes Hauptinteresse gilt Tier- und Menschendarstellungen. Auf verblüffend humorvolle Weise fängt er Bewegungsabläufe, Körper- und Denkhaltungen, das Wesen von Kreaturen ein. Dabei spiegelt sich der Mensch im Tier und das Tier im Menschen. Putzes Material ist das Holz, das er in seiner ursprünglichen Natürlichkeit kunstvoll in seine Arbeiten integriert. Er deckt damit nicht nur die Voraussetzungen seines Werks auf, sondern gibt auch Anlass zu der Vermutung, dass er formal insbesondere an die frühen Arbeiten von Werner Pokorny und an jene von David Nash anschließt.

Dass Thomas Putze eine klassische Mehrfachbegabung ist, wird demnächst gleichfalls in Bernau zu erleben sein. Schon jetzt sei darauf hingewiesen, dass der Künstler im Rahmen seiner Ausstellung ein Konzert gibt: am Samstag, 25. Juni, um 19:30 Uhr. Der Karten- Vorverkauf erfolgt ausschließlich über das Museum und per Mail:
 
Karl Hauptmann
Aus Anlass von Karl Hauptmanns 75. Todestag:
Gedenkausstellung im Hans-Thoma-Kunstmuseum


Von Jürgen Glocker

Es war Hans Thoma, der die Landschaften, Häuser und Interieurs des Schwarzwalds bildwürdig machte. Zwar blieb er nicht beim Schwarzwald stehen, sondern erschloss sich im Lauf seines langen Lebens eine vielseitige Bildwelt, zu der beispielsweise, neben italienischen Landschaften, Portraits und Stillleben, auch zahlreiche christliche und mythologische Motive zählen. Aber stilbildend war für ihn die Landschaft seiner Kindheit und Jugend, war der Schwarzwald und seine realistische, alles andere als biedere Ästhetik, mit der er gegen die Kunstauffassung der zeitgenössischen Salonmalerei anrannte. Die Maler, die sich später auf den Spuren Hans Thomas der Schwarzwaldmalerei widmeten, konnten sich gewissermaßen auf gut gebahnten Wegen bewegen. Denn der Schwarzwald stand im Zeitalter der Verstädterung und der zunehmenden Industrialisierung als eine Sehnsuchtslandschaft hoch im Kurs. Zu diesen Künstlern zählte, neben Gustav Schönlebers Meisterschülern Karl Biese und Hermann Dischler sowie Julius Heffner, auch Karl Hauptmann. Aus Anlass von Hauptmanns 75. Todestag zeigt das Hans-Thoma-Kunstmuseum in der kleinen, feinen Hauptmann-Abteilung eine erweiterte Gedenkausstellung mit zusätzlichen Bildern, die vom 7. April bis zum 13. November 2022 zu sehen ist.

Ein Schwarzwald-Liebhaber

Hauptmann wurde am 24. April 1880 in Freiburg geboren. Nach seiner Zeit als Soldat im 1. Weltkrieg zog er sich in den Schwarzwald zurück, wo er bereits im Jahr 1913 das am Abhang des Herzogenhorns gelegene „Molerhüsli“ erworben hatte. Es war ihm Wohnhaus und Atelier in einem. Und es wurde im Lauf der Zeit auch zu einem Treffpunkt. Und das galt ganz sicher nicht nur an den Wintersonntagen für die Bergretter aus Todtnau, die bei Karl Hauptmann ihre Sanitätsstelle aufschlugen. Hauptmann beschäftigte sich nicht nur beruflich mit der Landschaft des Schwarzwalds, er lebte mitten in der Natur. Sie war, wie die Kunst, sein Leben. Man muss wohl davon ausgehen, dass eine solche künstlerische Existenzweise in der modernen Welt längst ausgestorben ist. Nach Hauptmanns Tod am 7. April 1947 transportierte ihn die von ihm selbst gegründete Bergwacht auf einem Hornschlitten zu Tale nach Todtnau-Gschwend, wo heute ein Findling am Eingang des Friedhofs an ihn erinnert.

Nahezu dreißig Jahre lang bildete der Schwarzwald Karl Hauptmanns Lebensrahmen und Lebensmittelpunkt. Er malte seine Landschaften, seine Berge, Täler und Höfe zu allen Jahreszeiten und unter den unterschiedlichsten Lichtbedingungen. Ganz egal aber, welches Motiv, welchen Bildausschnitt und welches Licht er wählte, immer sieht man seinen Gemälden an, die nicht zuletzt von Touristen erworben wurden, dass er „seinen“ Schwarzwald liebte und dass er liebend gern in ihm lebte. Ja, er war ein Liebender, er idealisierte den Hochschwarzwald nach allen Regeln der Kunst und bewahrte ihn für sich und für uns als eine nahezu heile Welt. Nach den Gräueln des Weltkriegs waren insbesondere die stillen Winterlandschaften für Hauptmann von besonderer Bedeutung.
 

Das Hans-Thoma-Kunstmuseum

Auf zwei Etagen präsentiert sich das Hans-Thoma-Kunstmuseum im Gebäude des Rathauses in Bernau, Ortsteil Innerlehen (im 2. und 3. Stockwerk). Immer zu sehen sind auf der 1. Etage des Museums die Dauerausstellung mit Werken von Hans Thoma und die kleine Ausstellung des Feldberg-Malers Karl Hauptmann. Die Preisträger oder Sonderausstellungen finden Sie auf der 2. Etage des Museums, die auch wegen ihrer schönen lichten Holzarchitektur eine Augenweide ist.
 

Folgende Ausstellungen sind ständig zu sehen:

Sonderausstellungen:

Vier Mal im Jahr zeigt das Museum Sonderausstellungen. Das können Werkschauen einzelner Künstler oder thematische Ausstellungen sein. Eine der Sonderausstellungen ist jedes Jahr von August bis September entweder dem Preisträger des Hans-Thoma-Kunstpreises oder des Naturenergie-Förderpreises gewidmet.
 
Hans Thoma
Ein Streifzug durch die Bilderwelten von Hans Thoma: Mehr als 50 Gemälde und Grafiken präsentiert das Museum.
Karl Hauptmann
So schön war einst der Schwarzwaldwinter: Beeindruckende Gemälde von Karl Hauptmann
Preisträger
Kunst aus Papier, Metall, Holz oder gemalt: Das Hans-Thoma-Museum zeigt seine moderne Seite.
Jahresprogramm
Sonderausstellungen im Hans-Thoma-Kunstmuseum.

NaturEnergie-Förderpreis 2022
an Heidi Nübling
Verleihung 14.08.2022

Flattermann
Skulpturen, Zeichnungen und Performance von
Thomas Putze
1.5.2022 - 07.08.2022

Erweiterte Karl Hauptmann Ausstellung
zum 75. Todestag ab April 2022