Blick nach St. Blasien (1871) - Gemälde von Hans Thoma im Kunstmuseum in Bernau
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Der Maler und Schriftsteller Hans Thoma: Lebensstationen

Portrait Hans Thoma.
Selbstportrait von Hans Thoma.
Hans Thoma wurde am 2. Oktober 1839 in Bernau, im Ortsteil Oberlehen, als Sohn eines Holzarbeiters geboren. Die Mutter stammte aus einer alten Kunsthandwerkerfamilie aus Menzenschwand. Sie ist mit dem berühmten Maler Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verwandt.

Als Thoma 20 Jahre alt war verließ er Bernau, um an die Kunstschule in Karlsruhe zu gehen. In den folgenden Jahren reiste er oft nach Bernau, malte dort zahlreiche Naturbilder, genoss die Stille der Natur. Die Liebe zu seinem Heimattal trug er sein ganzes Leben im Herzen. Den letzten Besuch stattete er dem Bernauer Hochtal 1912 zu Johanni ab. Er brachte zwei Altarbilder für die Katholische Kirche St. Johann mit, die Bernauer bereiteten ihm ein rauschendes Fest.

Thomas Besuch in Bernau 1912: Eine Erinnerung

"Die Kirchenglocken läuteten, Böllerschüsse krachten, eine kirchliche Prozession zog feierlich durch die blumigen Wiesen, die Mädchen mit Trollus, dem großen Hahnenfuß, bekränzt und mit Margaretenblumen. Nach der Gottesdienstfeier kam der Zug von der Kirche her an der Schwendele-Mühle vorbei nach dem Oberlehen, die Musik voraus.

Dort bei meinem Geburtshaus stand mein Denkmal, ein tüchtiger Granitblock mit einem Bronzereliefbild von Bildhauer Sauer. Der Platz vor den Häusern war mit festlich gestimmten Menschenscharen, mit Musik und Fahnen und Gesang erfüllt. Der Bürgermeister Maier begrüßte mich mit einer Ansprache.... Wie seltsam war dies alles! Ich will nicht versuchen zu beschreiben, was in dieser Stunde von Freude und Wehmut durch meine Seele ging, ich hatte das Gefühl, als ob ich niederknien müsste und wortlos die Bernauer Sonne anstarren möchte." (aus: Im Winter des Lebens, S.177).

Stationen im Leben von Hans Thoma

1853-1855Thoma bricht drei begonnene Lehren ab: eine Lithographen- und Malerlehre in Basel und die Lehre bei einem Uhrenschildmaler in Furtwangen.
1855-1859Rückkehr nach Bernau. Autodidaktische Studien.
1859-1866Studium über Stipendium an der Kunstschule Karlsruhe. Die Sommermonate verbringt Thoma in Bernau.
1867Reise nach Paris; entscheidende Begegnung mit den Bildern von Gustave Courbets. Lebt abwechselnd in Bernau, Säckingen und Karlsruhe. Finanzielle Not. Seine Bilder werden strikt abgelehnt.
1870-1873Aufenthalt in München. Beginn der Freundschaft mit den Malern Arnold Böcklin, Albert Lang, Wilhelm Leibl, Ernst Sattler, Carl Schuch und Wilhelm Trübner.
1874-1876Italienreise mit Albert Lang. Freundschaft mit Hans von Marèes und Adolf von Hildebrand. Rombesuch mit Emil Lugo. Lebt in Frankfurt, München und Säckingen.
1877Heirat mit seiner Schülerin Cella Berteneder in Säckingen. Verlegung des Wohnsitzes nach Frankfurt. Gemeinsamer Haushalt mit Mutter und Schwester.
1879-1889Reisen nach England und Italien. 1889 Beginn der Freundschaft Mit Henry Thode, Schwiegersohn von Cosima Wagner und Direktor des Frankfurter Städel.
1890Ausstellung im Münchner Kunstverein, mit der ihm der künstlerische Durchbruch gelingt.
1892-1899Thoma ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Berufung und Umzug nach Karlsruhe. Er wird Direktor der Großherzoglichen Kunsthalle Karlsruhe und unterrichtet als Professor die Meisterabteilung für Landschaftsmalerei an der Kunstschule.
1901Tod seiner Ehefrau Cella.
1904-1905Reisen in die Schweiz
1905-1909Ausstattung der Thoma-Kapelle und Einweihung des Thoma-Museums in der Karlsruher Kunsthalle 1009.
1924Thoma stirbt am 7. November in Karlsruhe.