Babberger, Blick über die Höll
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Im Dachgeschosss ist ab dem 13.5.2018 die Ausstellung "Babberger und die Höll" zu sehen,
deshalb hängen momentan die Hans-Thoma-Preisträger nicht (wieder ab 12.8.2018).
Die NaturEnergie-Förderpreisträger sind in der Rathaus-Galerie zu besichtigen.
In jedem Fall können zur Zeit Sie die Dauerausstellungen von Hans Thoma und Karl Hauptmann besuchen.
 
Eine große Ausstellung zur Klassischen Moderne in Bernau:
Hans-Thoma-Kunstmuseum zeigt „Babberger und die Höll“
Der Expressionismus wird wieder lebendig

Vom 13. Mai bis zum 29. Juli 2018 zeigt das Hans-Thoma-Kunstmuseum die große Schau „Babberger und die Höll“, mit der das Haus die Reihe der überregional bedeutenden Ausstellungen zur südwestdeutschen Klassischen Moderne fortsetzt, die in den letzten Jahrzehnten im Landkreis Waldshut stattgefunden haben. Die Präsentation macht zugleich deutlich, dass der Südschwarzwald immer wieder mit den Entwicklungslinien der deutschen Kunstgeschichte verknüpft war und verbunden ist. Nicht zuletzt bestand eine enge Beziehung zwischen August Babberger und Hans Thoma, dem Namengeber des Bernauer Kunstmuseums und großen Sohn der Gemeinde. Bürgermeister Rolf Schmidt sagte gegenüber den Medien, die Ausstellung sei von großer Bedeutung für Bernau. Sie leiste nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Wiederentdeckung eines bedeutenden Künstlers, ja einer Künstlerkolonie, sondern werde mit Sicherheit auch zahlreiche Besucherinnen und Besucher ins Bernauer Hochtal bringen.

Von Hans Thoma gefördert

August Babberger, der zu den wichtigsten Protagonisten des Expressionismus im deutschen Südwesten und der Zentralschweiz zählt, wurde im Jahr 1885 im Hebel-Dorf Hausen im Wiesental geboren. Als Babberger 1908 Hans Thoma in Karlsruhe begegnete, war dies der Auftakt für eine ebenso fruchtbare wie wichtige Beziehung zu dem berühmten Akademieprofessor und Kunsthallendirektor. Babberger nahm in Karlsruhe das Kunststudium auf und besuchte die Radierklasse. Schon 1909 erhielt er dank der Vermittlung Hans Thomas ein Stipendium für die Internationale Kunstschule Florenz. Dort studierte er zwei Jahre lang und gewann Augusto Giacometti als lebenslangen Freund. An der Karlsruher Akademie wurde Babberger außerdem mit Hans Brasch (1882-1973) bekannt. Ab 1918 unterhielt Babberger in Frankfurt a. M. mit den beiden Kollegen Hans Brasch und Rudolf Gudden (1863 – 1935) eine Ateliergemeinschaft.

In den 1910er Jahren entdeckte Babberger die Landschaft der Zentralschweiz als Sujet. Regelmäßige Sommeraufenthalte führten den Maler ab dem Jahr 1916 in die Urner Alpen, wo er auf der Balmalp unterhalb des Hotels „Klausenpasshöhe“ eine Sennhütte bewohnte und zugleich als Atelier nutzte. Das Ideal einer naturbezogenen Einheit von Kunst und Leben war für Babberger von eminenter Bedeutung.

Im Jahr 1919 entdeckte Rudolf Gudden bei Urberg im Südschwarzwald den abgelegenen Talwinkel „Höll“ mit drei nah bei einander stehenden, verlassenen Bauernhäusern. Er erwarb den „Höllhof“, das älteste der drei Gebäude. Bald darauf kaufte Guddens Malerkollege Robert Hoffmann (1868 – 1935) das benachbarte Bauernhaus „Paradies“. 1921 folgte Babberger und erwarb das dritte Haus „Tirol“. Bereits 1920 hatte Hans Brasch auf dem Dachsberg, oberhalb der „Höll“, Wohnhaus und Garten erwerben können. Die Künstlerkolonie, die in den folgenden Jahren von den beteiligten Malern unterschiedlich intensiv bewohnt und genutzt wurde, war somit komplett.

Expressionismus und Tradition

August Babbergers kraftvolle Werke weisen den Künstler als Verfechter des Expressionismus aus. Die Sprache seiner Formen und seiner Farben lassen realistische Ansätze weit hinter sich; demgegenüber bleiben die Arbeiten seiner Kollegen aus der Künstlerkolonie eher dem Impressionismus und dem Realismus verpflichtet. Dennoch wusste Babberger genau, was er der Tradition und seinem Karlsruher Lehrer Hans Thoma zu verdanken hatte. So hielt er im Jahr 1924 auch die Grabrede auf Hans Thoma – was nicht zuletzt zeigt, welchen Rang Babberger in der Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts innehatte. War er doch bereits 1920 als Professor für dekorative Malerei an die Karlsruher Akademie berufen worden. Der Künstler verstand seine Aufenthalte in der Natur und in der Künstlerkolonie als bewusste Gegenbewegung zum Akademismus – darin Hans Thoma auf das Engste verwandt.

In den späten zwanziger und dreißiger Jahren brachte Babberger Schüler und, nach seiner Entlassung durch die nationalsozialistischen Machthaber im Jahr 1933, Privatschüler sowie Freunde aus Baden und aus der Schweiz in die „Höll“. Der Künstler starb im Alter von nur 50 Jahren in Altdorf / Kanton Uri an den Folgen einer Halsoperation. Sein künstlerischer Nachlass wurde durch die Überführung nach Altdorf vor dem Zugriff der Nationalsozialisten gerettet.

Das Hauptaugenmerk der Bernauer Ausstellung liegt auf August Babberger und seinem grafischen Werk, das Motive aus der „Höll“ thematisiert. Außerdem sind Sujets von der Balmalp zu sehen. Die Präsentation macht freilich Werke aller Künstler aus der Künstlerkolonie „Höll“ zugänglich. Die Präsentation wird organisiert in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, dem Museum Giersch der Goethe-Universität Frankfurt, dem Dreiländermuseum Lörrach, der Majolika-Stiftung für Kunst- und Kulturförderung Karlsruhe und mehreren privaten Leihgebern. Zusatzveranstaltungen runden die Ausstellung im Hans-Thoma-Kunstmuseum ab

Informationen: Hans-Thoma-Kunstmuseum, Innerlehen, Rathausstraße 18, 79872 Bernau im Schwarzwald; Tel. 07675 160040; .de; Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.30 bis 12 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag: 11.30 Uhr bis 17.00 Uhr; Montag und Dienstag geschlossen; www.hans-thoma-museum.de

Jürgen Glocker